Der große Männerchor

Geschichtlich – historisch betrachtet fiel die Gründung des Vereins und Chores in die Zeit des deutschen Kaiserreiches und folgte nach der Reichsgründung einem allgemeinen im Bereich des Sports und der Kultur neu entstandenen Trend der Aufbruchstimmung und gesellschaftlicher Neufindung.

Am 3. Januar 1876 von 22 jungen sangesfreudigen Männern in der Gaststätte „Goldener Stern“ gegründet, bleibt der Verein seinen damals gesetzten Zielen bis heute mit großer Kontinuität treu. Er war von Anfang an und ist auch heute noch ein Männerchor.

Das Gründungslokal, heute ein renommierter Gaststätten- und Hotelbetrieb, ist von Anfang an das Vereinslokal. Die Singstunden finden von je her Donnerstags statt.

Der Chor bleibt eine feste Größe, der unterschiedliche Epochen und zwei Kriege überwindend sich neu und dauerhaft fortentwickelt. Er wird besonders erfolgreich in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Von 1959 bis 1995 steht der Chor unter der Leitung seines heutigen Ehrenchorleiters, Herrn Musikdirektor Hans Weiß. Unter seinem Dirigat bestreitet der Chor   eine Vielzahl von zum Teil hervorragend besetzten Wettbewerben, knüpft erste internationale Kontakte. Konzerte im In- und Ausland, Galakonzerte mit renommierten Kammersängern  belegen einen hohen Leistungsstandard.

Besonders erwähnenswert das 1. Galakonzert am 6. November 1982 mit unserem Ehrenmitglied, Herrn Kammersänger Rudolf Schock. Klavierbegleitung durch den Dozenten an der Fachakademie für Musik am Richard-Strauss-Konservatorium München, Herrn Helmut Hideghéti. Kulminationspunkt des anspruchsvollen Programmes ist der von MD Hans Weiß-Steinberg gesetzte Löns-Lieder-Zyklus, eine Kantate für Männerchor, Solotenor und Orchester. Die Uraufführung gelingt, das Publikum in der Volkshalle ist begeistert. Die Verbindungen zur Familie Schock bestehen, auch über den allzu frühen Tod von Kammersänger Rudolf Schock hinaus, auch heute noch. Dies wird auch beim Chorwettbewerb 2001, mit der Stiftung des Rudolf-Schock-Gedächtnispreises deutlich.

Das Gala-Konzert mit Kammersänger Hermann Prey am 15. Oktober 1988, ebenfalls in der Volkshalle Watzenborn-Steinberg, wird ein weiterer Publikumserfolg. Herrn Prof. Helmut Deutsch, studierter Musikwissenschaftler an der Universität Wien, obliegt die Begleitung am Flügel. Chor und Solist bieten ein niveauvolles, ansprechendes und zuweilen auch kurzweiliges Programm. Der Bogen spannt sich von der Vorklassik bis zur Musik der Gegenwart. Darin eingebettet „Das Lieben bringt groß Freud“, ein Liederspiel nach Silcher-Liedern mit Hornbegleitung von Theo Fischer.

Am 7. November 1992 gelingt es, den auch als Dirigenten bekannten Kammersänger Peter Schreier für ein Gala-Konzert in Watzenborn-Steinberg zu gewinnen. Das in Meißen geborene ehemalige Dresdener Kreuzchor-Mitglied begeistert mit seinen Solovorträgen mit Liedern von Franz Schubert und Johannes Brahms, begleitet am Flügel von Walter Olbertz, einem an der Hochschule für Musik in Weimar ausgebildeten und international reputierten Pianisten. Die aus sieben Chorsätzen und Einzelgesängen bestehende Kantate „Erwache neues Leben“ aus der Feder des musikalischen Leiters MD Hans Weiß-Steinberg bildet unter Begleitung des Universitätsorchester Gießen die zentrale Präsentation des Chores.

In den 80er Jahren öffnet sich auch die internationale Bühne für Chorwettbewerbe in verschiedenen Schwierigkeitskategorien. Der Chor unternimmt diesen Schritt anlässlich des 1. Internationalen Chorwettbewerbes in Riva del Garda (Italien) vom 28. März bis 2. April 1990. Das „Pilotprojekt“ wird dem hohen internationalen Anspruch in der Schwierigkeitskategorie A gerecht und ein Erfolg. Mit 80,9 Punkten erreicht der Chor hinter Chören aus Estland und Ungarn als Drittpositionierter ein Silbernes Diplom und damit auch drittbeste Wertung unter 15 teilnehmenden deutschen Chören im gesamten Wettbewerb.

Mit dem Erfolgschor Junge Vocale im GV Sängerkranz betritt mit Peter Schmitt ein junger vielversprechender Chorleiter die Bühne. Nach über 1o-jähriger äußerst erfolgreicher Tätigkeit übernimmt dieser 1995 das Dirigat im Chor. Beste Platzierungen in nationalen und internationalen Wettbewerben unterstreichen den derzeitigen Leistungsstand. Mehrere, auch überregionale Chorkonzerte zeugen von künstlerischer Breite von Chorleiter und Chor.  

Mit dem kirchenmusikalisch (Orgel, Tonsatz) ausgebildeten Musiker und Absolventen des Konservatoriums in Frankfurt bestreitet der Chor seinen 2. Internationalen Chorwettbewerb am 15. Mai 1999 in Lindenholzhausen. 10 Chöre aus England, Estland, Belgien und Deutschland stellen sich in der Kategorie 8, Männerchöre ohne Pflichtchor, der Jury. Mit der zweithöchsten Wertung, der Gesamtnote 22 und dem Prädikat >Mit hervorragendem Erfolg teilgenommen< erhält der Chor ein „Goldenes Diplom“.

Die Teilnahme an der 1. Chorolympiade vom 7. – 16. Juli 2000 in Linz / Österreich ist für den Chor eine Herausforderung.   Das internationale Interesse ist gewaltig. Publikationen und Medienberichte unterstreichen den hohen Anspruch. Die Meldung erfolgt in der Kategorie „Große Männerchöre“. Ausstrahlung und Ambiente der Eröffnungsfeier, die wahrhaft olympischen Charakter hat, beeindrucken nachhaltig. Der Wettbewerb selber erfordert, trotz Rückzugs des oder der direkten Konkurrenten, höchste Intension der Sänger, gilt es doch vor den 7 internationalen Juroren zu bestehen, denn nur mit den entsprechenden Leistungspunkten kann man hier bestehen. Der Chor hat einen makellosen Auftritt, die vier Chorvorträge überzeugen die Jury. Sie vergibt über 82 Punkte. Dies ist der Titel. Der Chor ist Olympiasieger. Weltweit der einzige Titelträger in der „Großen Männerchorklasse“ und einer der insgesamt 3 deutschen Titelträger. Es werden unter 342 Chören und Ensembles aus 60 Nationen nur 21 Olympiasieger aufgrund der entsprechenden Punktzahl im olympischen Wettbewerb ermittelt. Die Teilnahme am abschließenden Konzert der Preisträger wird nochmals zu einem Höhepunkt im Design-Center in Linz. Der Sängerkranz erntet wie jeder Konzertchor unglaubliche Ovationen und ist sich dieser unwiederbringlichen Eindrücke bewusst. Die heimische Presse ist voll des Lobes, der Chor wird zu Hause gebührend empfangen.

Erfolg läuft einem Chor nicht hinterher, sondern muss immer wieder neu erarbeitet werden. Mit Chorleiter Peter Schmitt konnte der Sängerkranz nahtlos an die Erfolgsjahre mit MD Hans Weiß anknüpfen.

Die Chorstärke beträgt zur Zeit ca. 60 Stimmen, darunter einer Reihe von talentierten und viel versprechenden jungen Nachwuchssängern. Die Probenarbeit ist intensiv, das Repertoire umfassend. Die Voraussetzungen sind günstig für eine erfolgsorientierte Zukunft.

Gerd Schlosser  

 
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